Text zitiert aus „Trendsportart Futsal“ von Edin Kulasic (2015)

Futsal ist die offizielle Hallenfußballvariante der FIFA und ist weltweit akzeptiert und anerkannt. Überall auf der Welt hat sich der Futsal durchgesetzt, lediglich Deutschland, Österreich und Schweiz hinken hinterher, da man zu lange und teilweise immernoch an dem traditionellen Hallenfußball mit Bande festhält. Besonders in Deutschland dominiert trotz abnehmender Beliebtheit der „Bandenfußball“ nach wie vor. Dieser negative Trend lässt sich an drei wesentlichen Fakten festmachen:

  • Einstellung des DFB-Hallenpokals
  • Abwesenheit der TOP-Teams
  • Rückgang der Zuschauerzahlen

Aus diesen Fakten lässt sich die These formulieren, dass der traditionelle Hallenfußball weniger spannend und attraktiv ist, sowohl für Zuschauer als auch für Profifußballer. Zudem fördern die Banden ein „sinnloses Ping-Pong-Spiel“ des Balles und lassen manch einen kurzfristig zum Eishockeyspieler werden.
In Ländern wie Brasilien, Spanien, Portugal, Russland, Kroatien oder Italien hat Futsal einen hohen Stellenwert und zieht die Menschen mit seiner Fairness, Dynamik, Schnelligkeit und den anspruchsvollen technischen Fertigkeiten in seinen Bann. Viele berühmte Fußballer haben ihren Ursprung im Futsal unter anderem sind es Spieler wie Cristiano Ronaldo, Messi, Ronaldinho, Robinho, Diego, Ronaldo, Zidane, Deco, Zico, Romario, Socrates, Bebeto oder Pele, nur um einige zu nennen. Der Ausbau, die Entwicklung und Förderung des Futsals muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden, damit alle Vorteile für den deutschen Fußball, die Zuschauer und die Spieler genutzt und ausgeschöpft werden können.

Geschichte des Futsals

Viele Experten streiten sich um die genaue Entstehung des „Futbol sala“ oder wie die Brasilianer sagen würden: „Futebol de salao“ (Hallenfußball). Der Kerninhalt der meisten Erzählungen ist jedoch gleich. Der „Salonfußball“ wurde gegen Ende der 30er Jahre in Uruguay, Montevideo von einem Mann namens Juan Carlos Ceriani erfunden. Der Sportlehrer in Diensten der YMCA (Christlicher Verein Junger Männer), versuchte, vor allem für die Kinder und Jugendlichen, eine tägliche Spielmöglichkeit zu schaffen, die Unabhängig von regendurchweichtem Boden und belegten Rasenplätzen war. Deshalb verlegte er das Spiel auf die weniger benutzten Basketballfelder und in die Halle, die öfter vorhanden und ungenutzter waren. Da der Ball zu groß war und ständig aus dem Spielfeld hüpfte – und damit für die Kinder schwerer zu berechnen und kontrollieren war - beschloss Ceriani den Ball zu verkleinern und schwerer zu machen. Mit Hilfe des modifizierten Balles entwickelten die Kinder einen noch viel größeren Spaß und eine noch größere Lust an der Sportart. Der Sportlehrer verfeinerte das Spiel, indem er Rahmenbedingungen und Regeln festlegte, die den heutigen sehr ähnlich waren.

Andere berichten, dass die brasilianische Großstadt Sao Paulo der Geburtsort gewesen sei. Dort spielten die jungen Männer auf den Basketballfeldern, da sie immer Probleme hatten freie Fußballfelder zu finden. Sie gaben sich damit zufrieden und spielten mit fünf bis sieben Personen in einer Mannschaft gegeneinander. Im Laufe der Zeit einigte man sich auf eine feste Anzahl an fünf Spielern pro Team. Auch bei den Brasilianern sprang und hüpfte der Ball, der aus Sägemehl und Pferdehaare oder granulierter Korkmasse bestand, zu sehr auf und aus dem Spielfeld, sodass sie den Ball immer wieder holen mussten. Deshalb verringerten sie ebenfalls die Größe des Balles und erhöhten das Gewicht. Dies führte zum Spitznamen „O Esporte da Bola Pesada“, die Sportart des schweren Balls.

Internationale Verbreitung

Der rasante Anstieg an Beliebtheit und Aktiven führte zu einer systematischen Organisation des Spiels in Brasilien. Futsal wurde offiziell ins Sportprogramm integriert und gefördert, die Regeln waren identisch mit den heutigen. 1952 wurde die Liga „Futebol de salao“ in Sao Paulo gegründet, sie war die erste Institution. Habid Maphuz war der Gründer dieser Liga und ebenfalls Leiter der „Vereinigung junger Männer“. Die „Associacao de Futsal do Rio de Janeiro“ wurde im Jahr 1954 als föderative Vereinigung gegründet, früher unter dem Namen „Associacao Metropolitana de Futebol de salao“ bekannt. Das erste offizielle und herausgegebene Regelbuch wurde 1956 vom Brasilianer (geboren in Sao Paulo) Luiz Gonzaga de Oliveira Fernandes geschrieben und wurde zuvor von der Institution sorgfältig untersucht. Aber nicht nur die Menschen aus Sao Paulo trugen zur Weiterentwicklung und Verbreitung des Salonfußballs bei. Zeitgleich spielten auch junge Menschen aus Rio de Janeiro Futsal in der lokalen Anlage des „America Futebol Clube“. Hiermit wurde die erste Futsalrivalität „geboren“ – Sao Paulo gegen Rio de Janeiro – und trug wesentlich zur Entwicklung und Verbreitung des Salonfußball bei.

In den nachfolgenden Jahren verbreitete sich Futsal immer mehr und mehr. Die International Soccer Federation war bis zum Jahr 1989 für Futsal verantwortlich. 1989 adaptierte die FIFA Futsal und verbreitete die Sportart weltweit. Bereits im ersten Jahr veranstaltete die FIFA die erste offizielle Futsalweltmeisterschaft in Holland. Turniersieger wurde Brasilien. Es dauerte zehn Jahre bis die erste Futsaleuropameisterschafts ausgetragen wurde. Russland konnte sich den ersten Europameistertitel im Sechs-Meter-Schießen sichern. 25 Jahre nach der Adaption ist Futsal besonders in Südamerika, Ost- und Südeuropa verbreitet. In Deutschland hat Futsal großen Nachholbedarf.

Positive Aspekte des Futsals

Die Vorteile besonders gegenüber dem deutschen traditionellen Hallenfußball sind klar. Aus den Regeln und Unterschieden lassen sich eindeutige Vorteile heraus kristallisieren. Im Futsal ist die Verletzungs- und Gesundheitsgefahr äußerst minimal. Durch die Regeln (keine Sliding Tacklings, keine Stollenschuhe) und dem Austragungsort (Halle, wetterunabhängig, weniger Immunkrankheiten) wurden viele Risikofaktoren verringert. Im Rasenfußball sind es gerade die angesprochenen Faktoren, die ständig zu Verletzungen führen. Besonders in den Wintermonaten, wenn es öfter regnet oder gar schneit, müssen sich die Spieler mit den aufgeweichten, nassen (bei Amateurfußballern sogar gefrorene Böden!) Verhältnissen zurechtfinden. Durch den Dreck und die nasse Kleidung im Freien, müssen die Spieler mehr Energie verbrauchen (besonders für die Thermoregulation und Muskelbewegung) und sind anfälliger für Immunkrankheiten.

Im Hallenfußball mit Bande ist das Verletzungsrisiko enorm hoch. Das kleine Feld mit Bande wird oft von Spielern mit „Bodychecks“ gegen die Bande missbraucht. Und wenn einer damit anfängt, dann dauert es nicht lange, bis andere Spieler dies Nachahmen und das Spiel immer unfairer gestalten. Auch die Zweikampfregeln mindern nicht die Verletzungsgefahr. Ein zweiter entscheidender Nachteil ist die Kombination „Bande-Hallenball (aus Filz und sehr leicht), da der Ball sich wie ein Flummi verhält und das ganze Spiel rein optisch gesehen an Billard als an Fußball erinnern lässt und in Konsequenz unattraktiver, langweiliger und langsamer erscheint.

Mit den unbegrenzten Wechseln ist es möglich, dass alle Spieler einer Mannschaft sich an dem Spiel beteiligen können, damit ist jeder Einzelne zufrieden und hat das Gefühl wichtig bzw. ein Teil der Mannschaft zu sein. Im 11er-Fußball hingegen erlebt man oft, dass ein 22-Mann-Kader nur aus 11 -14 Spielern besteht und der Rest einfach nur ein Statisten Dasein einnimmt. Unzufriedenheit und Unwohlsein der Ergänzungsspieler führt als Folge einer nicht geschlossenen Mannschaft zu teaminternen Streitigkeiten und Missstimmungen. Die kleinere Kadergröße sowie die Regeln (kumulierte Fouls, Vier-Sekunden-Regel) lassen die Parole „Man gewinnt und verliert gemeinsam“ einen bedeutungsvolleren und wichtigeren Stellenwert ganz oben im Futsalsport einnehmen, wodurch die Mannschaften gezwungen sind, sich selbst zu Fairness und Disziplin zu erziehen. Ebenfalls müssen die Spieler einen Teamspirit schaffen, auf der erfolgreich Futsal gespielt werden kann.

Der Ball verbessert die Fertigkeiten eines jeden Spielers, da der Ball durch die Schaumfüllung berechenbarer und leichter zu kontrollieren ist. Gerade deshalb eignet sich der Futsal als Einstieg in den Fußballsport für alle Leistungsklassen und macht nebenbei auch noch großen Spaß.

Futsal ist ein einheitlich genormtes Spiel, das sich überall in Deutschland spielen lässt. Es werden lediglich ein Handballfeld mit Handballtoren und ein Futsalball benötigt.
Alle Faktoren – Regeln, Spielort, Spielfeld, Ball – machen den Salonfußball attraktiver, schneller, technischer und dynamischer. Damit wird eine Ballsportart in reinster Spielform erzeugt, in der sich Talent/Können und Spielintelligenz durchsetzen und nicht die körperliche Einsatzbereitschaft.

Futsal in Deutschland

In Deutschland hat Futsal nur einen geringen Stellenwert. Leider begann der DFB erst 2006 diese Sportart wahrzunehmen und fing erst 2014 durch den Ländervergleich an, den Futsal in Deutschland zu fördern. Wie der TSV 1860 München gründete der DFB Anfang 2016 eine (National-) Mannschaft und versucht sich nun im Futsalsport zu etablieren. Jährlich wird seit 2006 der DFB-Futsal-Cup ausgetragen, der erst seit 2015 offiziell zur deutschen Meisterschaft ernannt wurde und den Sieger zur Qualifikation zur „Champions League“ (UEFA Futsal-Cup) berechtigt.. Mittlerweile sind mehrere Regionalligen entstanden, deren Meister sich automatisch für das Viertelfinale der dt. Meisterschaft qualifizieren. Bayrische Teams können in der Regionalliga Süd, Bayernliga oder Bezirksliga spielen. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass Futsal unabhängig vom Fußball ausgeübt werden kann.

This is Futsal


PFL-Video „This is Futsal“